Seien Sie konzentriert !

Die Verbindung zwischen Muskel und Geist
Die neuromuskuläre Komponente Ihres Trainings ist von enormer Bedeutung für den Erfolg desselben. Nichtsdestotrotz ist sie nur den wenigsten Sportlern/Athleten überhaupt ein Begriff. Schließlich geht es hier um die Verbindung zwischen Ihren Muskeln und Ihrem Nervensystem, die Brücke zwischen Körper und Geist.

Die für das Training bedeutenden Muskelfasern werden nicht von ungefähr als „willkürliche“ Muskelfasern bezeichnet. Sie können diese Muskelfasern willentlich anspannen und wieder entspannen. Diese Fähigkeit ist bei den meisten Menschen jedoch nicht sehr gut ausgeprägt. Sie können ihren Körper zwar normal bewegen, aber gezielt einzelne Muskeln zu aktivieren und die restlichen dabei entspannt zu lassen, das können die wenigsten.

Die Rolle Ihres Nervensystems
Oft ist nicht die Muskulatur, sondern das Nervensystem der limitierende Faktor in der Kraftproduktion. Die Effizienz Ihres Nervensystems entscheidet darüber, wieviel Energie/Power Sie aus Ihrem Körper (Muskelsubstanz) herausholen können. So wird angenommen, dass eine durchschnittliche Person bei höchstmöglichem Einsatz nur 20-30 Prozent ihrer Muskelmasse aktivieren/anspannen kann. Die Ursache einer mangelhaften körperlichen Entwicklung ist somit meist nicht mit körperlichen Schwächen in Verbindung zu bringen, sondern ist vielmehr im Bereich der Konzentrationsfähigkeit zu suchen.

„Trainingsalltag“
Viele Trainierende bewältigen beim Krafttraining die ausgewählte Last, heben das aufgenommene Gewicht oder dehnen das entsprechende Tube, sind jedoch mit den Gedanken meist ganz woanders. So betrachten sie z.B. andere Übende, denken bereits an die nächste Übung („muss ja mein Pensum schaffen“), an die Couch danach, den „wohlverdienten“ Snack/Shake oder an tausend andere Dinge des Alltags. Wird so trainiert, verschenkt derjenige aber wertvolle Elemente eines erfolgreichen Trainings. Der Knackpunkt - die  Konzentration!

Wachsames Trainieren
Wenn Sie sich zum Beispiel beim Erlernen des jeweiligen Bewegungsablaufes nicht auf die Technik konzentrieren, zu schwere Gewichte verwenden oder bis zur „totalen körperlichen Erschöpfung“ trainieren, dann können/werden Sie sich falsche Bewegungsabläufe einprägen, die Sie so schnell nicht wieder loswerden. Aus diesem Grund sind die Kenntnis der richtigen Technik, die Konzentration auf die richtige Ausführung sowie die mentale Einstimmung auf das Training elementare Verhaltensweisen für jeden ernsthaften Sporttreibenden.

Nur wenn Sie konzentriert trainieren, werden Sie auch koordinativ richtig trainieren und somit Verletzungen aus dem Weg gehen können.

Mit der Zeit wird es einfacher
Je öfter Sie eine bestimmte Bewegung ausführen, desto stärker bilden sich die entsprechenden „neuronalen Pfade“ aus. Wird auf eine spezielle Bewegungsausführung regelmäßig zurückgegriffen, laufen die Bewegungsabläufe nach und nach immer unbewusster ab. Die anfängliche mentale Belastung flacht ab, d.h. Sie müssen sich „weniger konzentrieren“. Das anfänglich zu viele Nachdenken - auf was alles zu achten ist - wird immer weniger und der Spaß- bzw. Wohlfühlfaktor kommt dazu.

Beachten Sie: Die dadurch erzielten Kraftgewinne geschehen jedoch meist nur übungsbedingt. Die erworbenen neuronalen Anpassungen sind bewegungsspezifisch und können in der Regel nicht auf andere Bewegungen übertragen werden. Sprich: Wenn Sie z.B. in der Kniebeuge einen Trainingseffekt auf neuronaler Ebene erzielt haben, bedeutet das nicht, dass Sie deswegen automatisch eine höhere Leistung auf dem Rennrad oder beim Sprint erzielen und umgekehrt.

Alle unkontrollierten sowie ungleichmäßigen Bewegungen und Schwankungen des Körpers sind nichts als Kraftverschwendung und somit als eine Schwäche der Konzentration und Koordination anzusehen.

„über den Tellerrand geschaut“
Das „Geheimnis“ vieler Weltklasse-Athleten ist vor allem ihre einhundertprozentige Konzentration auf das Training. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt kopieren die Übungen und Pläne ihrer Idole und erzielen bei weitem nicht die Erfolge. Schnell ist hier die Erklärung für das eigene Versagen gefunden. Die meisten scheitern aber bereits bei der Umsetzung einfachster Grundregeln und suchen dann zum Beispiel den Grund in der Veranlagung oder in ihrer Umwelt. ABER: Die Trainingsweisen und Ernährungssysteme dieser Athleten sind keine „Hexenwerke“ und werden von vielen völlig überbewertet. Kurzum: Sie sind austauschbar, der Stolperstein ist und bleibt die Konzentration.

Üben, üben, üben
Unkonzentriert zu sein, ist eine der größten Schwächen des Menschen. Dabei ist Konzentration eine Fähigkeit, die ebenso wie jede andere Fähigkeit durch unermüdliche Übung zusehends gestärkt werden kann. Also üben Sie die bewusste Konzentration Ihrer Bewegungsabläufe im Alltag sowie im Sport. Erst dann wird Ihr Körper auch für Sie arbeiten und nicht gegen Sie.  

Muskelfasern
Jedes Mal, wenn Ihre Muskelfasern für Sie Arbeit verrichten sollen, damit Sie Ihren Körper bewegen können, schickt Ihr Zentrales Nervensystem entsprechende Arbeitsbefehle an die Muskelfasern, damit sie ihrer Aufgabe nachkommen. Wer nun den eigenen Bewegungen im Alltag wie im Sport kaum Aufmerksamkeit schenkt, schickt seinen Muskelfasern nur missverständliche Befehle. Bei einigen kommt zwar eine Botschaft an, aber sie ist bruchstückhaft und nicht sehr eindringlich. Nur wenige dieser Muskelfasern verfolgen den Befehl und verrichten ihre Arbeit. Ein Großteil jedoch ist zu träge, um sich von solch unklaren Befehlen zur Aktivität drängen zu lassen. Als Ergebnis entstehen unpräzise und kraftlose Bewegungen, die sowohl im Alltag, als auch beim Krafttraining nicht gerade sehr hilfreich sind. Als Folge wird verständlicherweise auch nur ein ungenügender Wachstumsreiz gesetzt.

Je mehr man sich jedoch auf die Arbeit der einzelnen Muskelfasern konzentriert, desto stärker werden diese kontrahieren. Probieren Sie es aus:

Übung
Schauen Sie auf den Text, ballen aber gleichzeitig die Finger Ihrer rechten Hand zu einer Faust und versuchen Sie Ihren rechten Unterarm so fest wie möglich anzuspannen, während die Aufmerksamkeit weiterhin bei dem Text verweilt.

Nun wenden Sie Ihren Blick und alle Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren rechten Unterarm und konzentrieren Sie sich so stark wie möglich auf seine Kontraktion.

Sicherlich werden Sie feststellen, dass Sie mit Fokus auf den Unterarm seine Muskeln stärker kontrahieren können als vorher und dass Sie sich durch die Konzentration auf die Kontraktion in der Lage sind, die Anspannung Ihrer Muskulatur beträchtlich zu erhöhen.   
Tipp: Üben Sie die Fähigkeit der Konzentration auch außerhalb Ihrer normalen Trainingszeit – sprich im Alltag - um diese zu perfektionieren. Auf diese Weise werden Sie lernen, wie Sie Ihre Muskulatur am besten ansprechen und dann auch im Training gezielt einsetzen zu können. Die Qualität Ihres Trainings, aber auch ihrer Muskulatur wird hierdurch beträchtlich erhöht.

Fazit
Konzentration ist nichts anderes, als die bewusste Stärkung Ihrer neuromuskulären Verbindungen. Mit ihr steigt und fällt die Qualität und Stärke Ihrer Muskulatur. Wer sie bei seinem Training vermissen lässt, wird weder einen starken/leistungsfähigen noch einen ästhetischen Körper entwickeln können. Wirklich tiefe Konzentration wurzelt in der aktiven Wahrnehmung des Hier und Jetzt. Jede einzelne Wiederholung ist ein Training für sich. So wie Sie die Wiederholung ausführen, so wird auch Ihre Entwicklung ausfallen.

Also seien Sie konzentriert und arbeiten fokussiert!

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen,
Ihr Stefan Krause


Schlüsselwörter: neuromuskuläre Verbindungen, neuronale Anpassungen, Konzentration